LINDWURMPRAXIS 12 Paula Borowiak & Gerda Urban
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Fachartikel
von Paula Borowiak:

STRESS - ERSCHÖPFUNG - BURN OUT

Man sagt, dass das Wort Krise im Chinesichen mit zwei Schriftzeichen ausgedrückt wird: Ein Zeichen bedeutet "Gefahr", das andere Zeichen bedeutet "Chance"

Was ist ein Burt-Out?

Der Begriff Burn Out (ausgebrannt) umfasst eine ganze Gruppe von allgemeinen körperlichen und psychischen Symptomen. Die Entwicklung beginnt mit anhaltendem Stress und daraus folgend einem Empfinden von Dauererschöpfung. Der Unterschied zu eher "normalen" Phasen von Stress und Erschöpfung bei Umbruchsituationen oder besonders intensiven Arbeitsprojekten ist, dass keine Änderung der Lebensbedingungen absehbar ist. Erst dann ist die Gefahr größer, dass "der Akku" irgendwann leer ist und der Begriff "Burn Out" auch tatsächlich zutrifft.

Fast immer ist beim Vollbild "Burn Out" das Gefühl der Erschöpfung bis zur völligen Energielosigkeit und inneren Leere. Damit zusammen können auftreten: Schlaflosigkeit, Ängste, depressive Verstimmungen, Aggressionen, Schuldgefühle. Außerdem können sich unterschiedliche körperliche Symptomatiken entwickeln, z.B. Magen- und Darmprobleme, Kreislaufstörungen mit niedrigem oder hohem Blutdruck, Kopfschmerzen bis hin zu Migräne, Rückenschmerzen.

Wie entsteht der Burn Out - Zustand?

Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die zu diesem massiven Erschöpfungszustand führen können. Neben dem stetig höher werdenden Leistungsdruck, der in erster Linie vom Arbeitsplatz und der Familie ausgeübt wird, besteht in der Regel ein ebenso hoher innerer Leistungsanspruch. Solange man dem Druck standhalten kann, macht ein gewisses Maß an Stress noch Spaß, in diesem Zustand ist er eine reizvolle Herausforderung. Wenn jedoch ab einem bestimmten Punkt das Gefühl von Versagen aufkommen sollte, wird es Ernst. Eine Spirale nach unten kann sich verselbständigen - je schwächer das eigene Selbstwertgefühl wird, umso mehr können Schuldgefühle und die Angst vor Versagen ansteigen - und umso höher wird dann oft noch der eigene Leistungsanspruch.

Ein typisches Phänomen dabei ist der sich verengende "Tunnelblick", eine Form von Alltagshypnose, bei der alles ausgeschlossen wird, was nicht zum Problem gehört. In diesem Fall beraubt sich der Betroffene seiner Ressourcen, die ihm sonst zur Verfügung stehen könnten. Mit diesem hypnotischen Problemzustand können Lösungen kaum mehr erfasst werden.
Und ist dieser Erschöpfungszustand einmal entstanden, läuft man meistens schon auf "Reserve". Einfach weitermachen erscheint dann noch erträglicher, als die Kraft aufzubringen, irgendetwas an der Situation zu verändern.
Die Neigung, alles alleine managen zu müssen, kann nun zur Falle werden, viele ziehen sich noch mehr zurück und holen weder Hilfe noch können sie Angebote annehmen.

Gibt es Personen die besonders gefährdet sind?

Es gibt zwar keine Berufgruppe, die vom Burn Out verschont bleibt, aber man kann schon gewisse Risikofaktoren beobachten. Ein hoher Leistungsanspruch ist nicht so selten verbunden mit dem Gefühl, über Leistung geliebt zu werden. Damit geht einher, dass man die eigenen Bedürfnisse nicht so beachtet, wie es gut wäre. Die Fähigkeit, nach innen zu spüren, ist in diesem Zusammenhang dann oft geschwächt. Man wird es immer wieder übersehen, die eigenen Kraftreserven aufzutanken, die Schmerzgrenzen zu erkennen und ernst zu nehmen. Der wesentliche Punkt hier ist überhaupt das Erkennen der eigenen Grenzen - oftmals fühlen sich die Betroffenen hier verunsichert - wo ist diese Grenze eigentlich? (Oft vertraute Sätze aus der Kindheit sind dann: Reiß dich zusammen, das geht schon noch, stell dich nicht so an, andere können das doch auch...)

Wege zur Heilung - aus eigener Kraft

Ein Gefühl von Ausweglosigkeit kann zu diesem Zeitpunkt auftreten. Wie ein Hamster im Rad - so beschreiben Betroffene sich selbst. Wenn die Erschöpfung so groß ist, dass man inne halten muss, wenn also die Krise entsteht, ist auch ein Weg heraus möglich. Der erste Schritt in die richtige Richtung ist getan. Man kann ein motivierendes Gespräch mit einer guten Freundin/einem guten Freund führen, sich ein Ratgeberbuch kaufen und lesen - und die guten Vorschläge beginnen, umzusetzen.

Wege zur Heilung - mit professioneller Hilfe

Um die physischen Folgen von diesem Dauerstress zu behandeln, gehen viele Menschen doch irgendwann zum Arzt. Häufig erleben Menschen vor allem die körperlichen Symptome, etwa Magenschmerzen, während ihnen die innerpsychische Dynamik gar nicht bewußt ist.

Je nach Ausprägung des Erschöpfungszustands kann eine psychologische Beratung zu diesem Zeitpunkt sinnvoll sein, auch um die Zusammenhänge dieser Entwicklung zu verstehen und sie so für die Zukunft schneller zu erkennen.
Der Vorteil einer solchen Begleitung liegt u.A. auch darin, dass eine externe Kontrollinstanz geschaffen wird, die einen freundlich und bestimmt im eigenen Interesse daran erinnert, einmal für sich selbst zu sorgen.


STRESS - ERSCHÖPFUNG - BURN OUT
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