Lebensführung und männliche Fruchtbarkeit
Nikotin, Alkohol und Spermaqualität
Nikotin
- Erektile Dysfunktion
Das Risiko dafür ist erhöht
- nachgewiesen bei Rauchern auf 1,7%
- auch bei Passivrauchern auf 1 %
- Spermatozoendichte (Spermatozoen = Samenzellen) bei Rauchern 13 – 17 % erniedrigt
Raucheffekt und Varicocele
- Die acrosomale Funktion mit der Eizelle wird herabgesetzt
- Beeinträchtigung der Funktion der Nebenhoden, Bläschendrüsen und Prostata
- Leukozytenerhöhung
- Wenn Raucher eine Varicocele haben, sinkt die Spermaqualität
Einfluß von Nikotin bei Männern und Frauen auf den Schwangerschaftserfolg:
- wenn die Frau in der Schwangerschaft raucht, sinkt die Konzeptions- wahrscheinlichkeit
- Infertilitätsrisiko ist bei rauchenden Frauen höher im Vergleich zu Nicht- raucherinnen
- Niedrigere Schwangerschaftsrate von Raucherinnen bei IVF-Zyklus
- erhöhte Abortrate
- signifikante Verschlechterung der Erfolgsaussichten bei IVF und ICSI
- Effekt bei Ex-Raucherinnen: langsam reversibel (> 2 Jahre)
- Wenn nur der Mann raucht, ist die Chance des Schwangerschaftserfolges um 50 % reduziert
- Benzopyrene, was sich an die DNA bindet; vermehrt nachweisbar in Spermien von Rauchern (Benzopyrene sind eine Zusammensetzung der Familie der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe; mutagen und stark krebserzeugend)
- wenn nur der Mann raucht, finden sich diese DNA-Addukte im Embryo wieder
- die Rate maligner Erkrankungen der Nachkommen rauchender Väter ist erhöht (z. B. Leukämie)- Stoorgard et. al 2003
- wenn die Frau während der Schwangerschaft mehr als 10 Zigaretten / Tag raucht; Spermienanzahl des Sohnes herabgesetzt
- erhöhte Rate an plötzlichem Kindstod
Alkohol
Gestörte Hodenfunktion durch Alkohol
- direkte toxische Wirkung auf die Leydig`schen Zellen
- Störung der Blut-Hoden-Schranke
- Störung der Hypothalamus-Gonaden-Achse
- Hodengewicht erniedrigt
- Volumenanteil der Tubuli semiferi herabgesetzt
Mäßiger Alkoholkonsum
- bei Männern: wirkt sich kaum aus
- bei Frauen viel stärker
- eine Azoospermie (Fehlen reifer wie unreifer Samenzellen im Ejakulat) nach Absetzen des Alkohols ist reversibel
Alkohol und Rauchen
Die Zeit, bis eine Schwangerschaft eintritt, ist verlängert
- bei Frauen oder deren Partner, die mind. 5 Zigaretten täglich rauchen
- bei einem Partner mit einem Alkoholkonsum von > 20 Alkohol-Units wöchentlich
- bei einem BMI von > 25
Multifaktorelle Ursachen der männlichen Infertilität
- Lifestyle
- Medikamente
- Berufsstoffe
- Umweltchemikalien
- Allgemeinerkrankungen
- Erkrankungen der Genitalien
- Genetischer Defekt
Wärme, elektromagnetische Strahlung und Unfruchtbarkeit
Wärme
Eine Temperaturbelastung des Hodens kann zu verminderter Samenqualität führen:
- Temperatur > 37 °C (Sauna, heiße Bäder, Fieber, Heizdecke)
- Beruf: Schweißer, Bäcker, Hochofenarbeiter
- Erkrankungen: Varicocele, Hodenhochstand
- Bekleidung: enge Hosen, Unterhosen
- körperliche Inaktivität: Sitzen (Auto, Schreibtisch, TV, PC, Schlafen)
- Ein laufender Laptop auf den Oberschenkeln erhöht die Skrotaltemperatur um 0,5 °C zusätzlich
Fieber und Samenqualität:
Gab es einige Wochen vor dem Spermiogramm eine Erhöhung der Körpertemperatur auf 39 °C oder mehr, kommt es zu einem Abfall der Spermadichte und Motilität; monatelange Erholungsdauer
Rat zur Kühlung:
- alle 10 Min. aufstehen
- weniger TV, PC, Schreibtisch
- mehr Bewegung, Sport
- Erholung der Spermien nach 2 – 3 Monaten
Elektromagnetische Strahlung
Mikrowelle
- Mehrere Jahre Exposition der Mikrowelle: signifikante Reduktion der
Spermatozooendichte und Motilität
Handy
- negative Korrelation für Spermatozooendichte, Progressivmotilität
- Schädigung des mitochondrialen Genoms (= der haploide Chromosomensatz und die in ihm lokalisierten Gene)
Fahrradfahren und Spermaqualität
Radfahrer und Unfruchtbarkeit
Hier geht es um den Langstreckenradfahrer, nicht um den, der schnell in den nächsten Park fährt oder mal einen Wochenendausflug macht.
- venöser Blutfluss während des Radfahrens herabgesetzt
- Mikrotraumen im Hoden
- niedriger Testosteronspiegel nach Langstreckenfahrten
- Wärmeexposition
- die Zeit bis zur Konzeption wird dadurch signifikant verlängert
Radfahren
- Verletzungsrisiko
- perianaler Streß
- Überwärmung des Skrotums
- Sensibilitäts- und Erektionsstörung durch Satteldruck auf Nervus und Arteriae pudenda und aufs Skrotum
Übergewicht und Hodenfunktion
BMI und Spermaqualität
Body Mass Index (BMI)
Nach der westlichen Klassifizierung gibt der BMI (= Körpergewicht in Kilo dividiert durch Körpergröße in m² Auskunft über die Fettleibigkeit (Adipositas).
unter 19 Untergewicht
19 – 25 Normalgewicht
25 – 30 leichtes Übergewicht
30 – 35 Adipositas Grad I
35 – 40 Adipositas Grad II
über 40 extreme Adipositas
Der BMI stellt einen breiten Rahmen, der aber immer individuell betrachtet werden muß: Alter, Körperbau, Muskelmasse-Anteil und Proportionen dürfen nicht außer Acht gelassen werden.
Relative Verminderung der Spermatozooenkonzentration
< 20 kg / m²: 28,1 %
Männer mit BMI > 25 kg / m²: 21,6 %
Metabolisches Syndrom
Übergewicht und Testosteron
Testosteron hat eine direkte Wirkung auf den Hoden. Es bewirkt die Reifung der Spermatiden zu Spermien. Darüber hinaus bewirkt Testosteron bei männlichen Individuen in der Pubertät die Entwicklung des Penis, Hodensacks, der akzessorischen Geschlechtsdrüsen und der sekundären Geschlechtsmerkmale und sorgt bei Erwachsenen für die Aufrechterhaltung dieser Merkmale.
Außerhalb der Geschlechtsorgane fördert das Hormon das Wachstum der Körperbehaarung und der Barthaare und besitzt eine anabole, das heißt muskelaufbauende Wirkung. Es steigert das sexuelle Verlangen (Libido) und generell Antrieb, Ausdauer und Lebenslust. Ein hoher Testosteronspiegel fördert dominante und aggressive Verhaltensweisen.
Testosteronkonzentration:
- kräftig gebaute, muskulöse Männer ohne Bauch (BMI erhöht, kleiner Bauchumfang) - Testosteron erhöht
- schmächtige Männer ohne Bauch (kleiner BMI, kleiner Bauchumfang) - höchster Testosteronspiegel
- kräftig gebaute Männer, großer Bauchumfang (BMI erhöht) - deutlich niedrigerer Testosteronspiegel
- dünne Männer mit Bauch (kleiner BMI, großer Bauchumfang) - niedrigster Spiegel an freiem Testosteron
Faszit:
- Übergewicht: Testosteron erniedrigt
- Gewichtsreduktion ; Testosteron erhöht
- d. h. also, Testosteron hat Einfluß auf den Genitalstatus des Patienten
Ursachen für reduzierte Spermaqualität bei Übergewicht:
- reduzierte intratestikuläre Testosteronkonzentration
- Erhöhung des E 2; Reduktion des Testosteron/E 2-Verhältnisses
- erhöhte Konzentration von Organchloriden im Fettgewebe
Aber es ist immer noch unsicher, ob hierbei Testosteron allein für die Unfruchtbarkeit verantwortlich ist.
Bei den hier gemachten Angaben handelt es sich um Auszüge meiner persönlichen Mitschriften einer andrologischen Fortbildungsveranstaltung zu diesem Thema der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der Technischen Universität München.